© Rainer Mahr

"Der kompetente Säugling auf dem Weg in die Bioenergetische Analyse".

Seit einigen Jahren wird in der psychotherapeutischen Literatur viel über die „neue Säuglingsforschung“ geschrieben. Mit ihr würden sich viele Hypothesen und Konzepte der Entwicklungspsychologie verändern müssen, die mit den neuen Forschungsdaten nicht mehr zu vereinbaren sind.

Von besonderer Bedeutung erscheint der Wechsel des Fokus vom „rekonstruierten Kind“ zum „realen Kind“ und die Einführung der Videobeobachtung mit ihrer Mikroanalyse.

Vom „rekonstruierten Kind“ wird gesprochen, wenn in der psychoanalytischen Forschung Informationen über die Entwicklungsprozesse des Säuglings aus den Erinnerungen der Patienten erhoben werden. Da sie sehr subjektiv sind und durch vielfältige andere Erfahrungen beeinflusst sein können, bezieht man sich nun lieber auf die direkte Beobachtung des Säuglings. Die Videokamera wird dabei als objektiver Beobachter besonders geschätzt.

Beide Entwicklungen sind aber gar nicht so neu, wie es erscheinen mag, denn schon seit vielen Jahrzehnten gibt es viele Forscher, die ihre Informationen über die Entwicklung von Säuglingen aus der Feldbeobachtung und durch Laborexperimente gewinnen (vgl. René Spitz und Jean Piaget). Selbst Wilhelm Reich hat in Form von Direktbeobachtung entwicklungspsychologische Studien  durchgeführt und entsprechende Forschungsprojekte entwickelt, die er allerdings nicht weit fortgeführt hat. (Boadella, 1981)

Auch wird die frühkindliche Entwicklung mit Filmen dokumentiert, solange es dieses Medium in ausreichender Qualität gibt. Die neuere Säuglingsforschung kann mit den neuen Videoanlagen Verhalten und Interaktion von Kind und Bezugsperson natürlich sehr viel exakter als früher dokumentieren und analysieren.

Neu ist aber vor allem, dass viele psychoanalytische Theoretiker wie z.B. Daniel N. Stern, Martin Dornes, Alan Shore,  ihre entwicklungspsychologischen  Vorstellungen nicht nur vom „rekonstruierten Kind“ beziehen,  sondern auch die Erkenntnisse unterschiedlicher Forschungsansätze wie Verhaltenspsychologie, Wahrnehmungspsychologie, biologischer oder neurobiologischer Forschung bei ihrer Konzeptbildung berücksichtigen.

Dabei scheint der Gegensatz zwischen „rekonstruiertem“ und „realen“ Kind an Bedeutung zu verlieren.

Denn durch die reale Beobachtung des Säuglings erfahre ich nur etwas über sein Verhalten und seine Fähigkeiten, über sein subjektives Empfinden in einer bestimmten Entwicklungsphase dagegen nur über ihre emotionale Wiederbelebung im therapeutischen Prozess oder im Traum (Stern 1992, S.29 ff).

Ich will nun nicht die Fülle der neuen Daten darstellen, sondern einige für mich wichtige und interessante Schussfolgerungen, die ich aus ihnen gezogen habe, erläutern.

Es handelt sich um Folgerungen und Prinzipien, welche die Entwicklung eines Säuglings zu bestimmen scheinen, unser Verständnis psychotherapeutischer Prozesse überdenken helfen und die Vorstellung einiger Begriffe erweitern können.

 

Die körperliche, geistige, seelische und soziale Entwicklung geschieht in einem Prozess der Selbstregulierung.

Einige Beobachtungen der Säuglingsforschung zeigen, dass die Entwicklung eines Menschen als selbstregulierender Prozess beschrieben werden kann.

Mit dem Slogan vom ‚kompetenten Säugling’ wird häufig eines der spektakulärsten Erkenntnisse der neueren Säuglingsforschung charakterisiert. Er beschreibt die vielfältigen Beobachtungen, dass jeder Säugling mit Beginn seines Lebens aktiv an der Gestaltung seiner Entwicklung beteiligt ist und schon sehr viel kann: Ein neugeborenes Kind kann zwischen der Milch der eigenen und der Milch einer anderen Mutter unterscheiden, einen synchronisierten Film von einem nicht synchronisierten unterscheiden, d. h. er merkt, ob das, was er hört und das, was er sieht, zusammenpasst. Es ist die Fähigkeit der amodalen Wahrnehmung (Stern 1992).

Schon sehr schnell nach seiner Zeugung weiß ein Säugling, wie er aussehen will, dass er wachsen, sich entwickeln muss, was er dazu braucht, wie das geschehen kann, wann die Zeit gekommen ist, den Mutterleib zu verlassen. Natürlich braucht er den nährenden und schützenden Mutterleib um sein Ziel zu realisieren. Doch alles dreht sich um seinen Willen, leben zu wollen. Er ist der eigentlich Handelnde, die Mutter hilft ihm, seinen Willen durchzusetzen. („Wille“ ist hier natürlich nicht als bewusste, rationale Entscheidung gemeint. Es ist die Intention des Kindes, diese unbändige Kraft, leben zu wollen. Der Begriff ‚Instinkt’ wäre an dieser Stelle zu willkürlich.)

Nach der Geburt ändert sich das keineswegs: Sehr überrascht war ich einmal über ein Video, in dem ein Säugling nach der Geburt, noch durch die Nabelschnur mit der Mutter verbunden, ohne Hilfe den Weg zur Brust der Mutter suchte und fand. Natürlich, er hat Hunger, braucht die Nahrung zum Überleben. Also kümmert er sich auch darum, wenn man ihn nicht daran hindert, sein elementares Bedürfnis zu befriedigen. Wird er daran gehindert, schreit er.  Wenn die Mutter ihm keine Unterstützung geben will oder kann, versucht er sie in diese Richtung zu manipulieren, eine Bindung zu etablieren, die nie mehr gelöst werden kann und ihm dauerhaft angemessene Unterstützung garantiert. Zahllos sind die Beobachtungen, die belegen, wie aktiv und konsequent Säuglinge versuchen, ihren Willen zu leben, durchzusetzen.

Natürlich weiß der Säugling noch nicht, wie das Leben funktioniert, wie er vor Kälte und Gefahren geschützt werden kann, wie wichtig soziales Leben für ihn selbst ist, was er alles wissen muss, um in dieser modernen Welt überleben zu können. Deshalb entwickelt sich in der Regel zwischen Kind und Erwachsenem eine Partnerschaft. Die Bezugspersonen helfen dem Kind, dass es seinen Willen zu leben realisieren kann .

Gelingt es dem Säugling nicht oder nur unzureichend, diese Partnerschaft zu etablieren, wird er sterben oder er sucht nach Alternativen. Er entwickelt Möglichkeiten, ohne diese Unterstützung auszukommen, versucht, schnell erwachsener und autarker zu werden oder zieht sich in sich zurück, um sich vor den Bedrohungen aus der biologischen und sozialen Umwelt zu schützen. Natürlich wird er dadurch an seine Umwelt schlechter angepasst sein können als mit der fürsorglichen Orientierung durch Erwachsene. Er wird die sozialen Spielregeln weniger gut beherrschen, sie eher nicht akzeptieren.

Wenn man versucht, all diese Verhaltensweisen eines Kindes, mit seinen Fähigkeiten, Strategien und seinem Ehrgeiz zu überleben und besser zu leben, als Einheit zu sehen, dann wird deutlich: Menschliches Leben entwickelt sich in einem selbstregulierenden Prozess, nach  dem alle lebenden Wesen organisiert sind und funktionieren. 

Ein selbstregulierender Prozess ist in hohem Maße automatisiert. Jede Veränderung – im Energiehaushalt, Stoffwechsel, jede Veränderung in der biologischen oder sozialen Umgebung wird mit einem angeborenen, ausprobierten und bewährten Muster beantwortet. Solche Muster wirken schnell, präzise und effektiv. Meist sind sie für uns unbewusst. Z.B.:  Vielleicht haben Erfahrungen eines Menschen mit seiner Umwelt zu einem Muster geführt, sich nie mehr auf nahe Beziehungen einzulassen, um nie mehr zurückgewiesen werden zu können. Dieses Muster wirkt dann so effektiv, dass kein Bedürfnis mehr auftaucht nach Nähe, Liebe oder Sexualität.  Dann bekommt dieser Mensch in seinem Leben ein Angebot für Beziehung, das ihm gar nicht mehr so bedrohlich erscheint. Oder seine Lebensbedingungen verändern sich in einer Weise, dass er Nähe und Unterstützung annehmen müsste. Da werden all seine Bemühungen, sich auf eine Beziehung einzulassen, durch das Muster behindert oder unmöglich gemacht, das ihn ursprünglich vor bedrohlicher Nähe schützen sollte. Menschen in solchen Situationen kommen zu uns und suchen psychotherapeutische Hilfe. Die selbstregulierenden Muster sollen beseitigt oder verändert werden. Aber wie soll das möglich sein, wenn sie automatisiert und unbewusst sind?

Lebendige Systeme und in besonderem Masse der Mensch hat mit seinem Bewusstsein und Verstand eine Möglichkeit entwickelt, diese Muster der Selbstregulierung selbst zu verändern: Er kann seine Muster visualisieren, ihre Geschichte und ihren Zweck in Erinnerung rufen, mit den neuen aktuellen Bedürfnissen, Bedrohungen und seinen inzwischen weiter entwickelten Fähigkeiten und Stärken konfrontieren. Das kann zu neuen Entscheidungen, Mustern führen, die er in sein selbstregulierendes System einbauen kann. Für diesen Prozess kann er sich mit einer Psychotherapie Unterstützung holen, vor allem dann, wenn die Muster sehr tief in der Persönlichkeit verwurzelt sind, soziale Normen und Tabus verbieten, bestimmte Muster zu hinterfragen oder wenn die Identität und Kraft einer Person so geschwächt ist, dass sie gegen hinderliche Muster nicht mehr aufbegehren kann.

Das Konzept vom ‚kompetenten’ Säugling zeigt ihn in seiner autonomen und aktiven Rolle im Entwicklungsgeschehen und seine Bezugspersonen in einer sehr wichtigen, aber nur stützenden und fördernden Funktion. Unangemessene Interventionen, die nicht dem Lebenswillen des Kindes entsprechen, können diese Selbstregulierung irritieren, stören und verhindern.

Auf diesem Hintergrund kann psychotherapeutisches Geschehen als Unterstützung verstanden werden, wieder auf die eigenen Möglichkeiten der Selbstregulierung zu vertrauen, Verhaltensmuster den neuen Bedürfnissen und Lebensumständen anzupassen. Weniger Interventionen, Zeit geben, wachsen und geschehen lassen, ermöglicht bisweilen mehr Raum für Neuorientierung und Selbstregulierung als die Vermittlung von sog. besseren Lebenskonzepten.

 

Interaktion ist das wesentliche Kriterium für eine sichere Bindung und Beziehung.

Eine gute, sichere Bindung und Beziehung gilt als wichtigstes Element für eine optimale körperliche, seelische und geistige Entwicklung eines Menschen und für einen effektiven psychotherapeutischen Prozess. Es muss eine gute, liebevolle Beziehung sein, die Halt gibt und Vertrauen weckt. Dieses Bindungs- und Beziehungskonzept ist von der Vorstellung geprägt, dass der Erwachsene die volle Verantwortung für die Qualität der Beziehung hat. Er muss in der Lage sein, Halt, Vertrauen und Liebe zu geben und zu verlangen.

Die Forschungsergebnisse zeigen aber, dass der Säugling selbst viel aktiver an seinem Entwicklungsprozess beteiligt ist, als dies bisher angenommen wurde. Er schreit oder lächelt und die Mutter (oder Bezugsperson) antwortet. Es gibt einen Input von der Mutter (oder Bezugsperson) und eine Reaktion vom Kind. D.h., eine Interaktion bestimmt das Geschehen zwischen beiden. Gute Bindung und Beziehung sind für die Entwicklungsprozesse so wichtig, weil sie Interaktionen ermöglichen – auf der motorischen, sensorischen, nonverbalen und verbalen Ebene.

Die psychoanalytische Theorie beschreibt solche Interaktionsprozesse z.B. mit ihrem Konzept der Spiegelung. Es ist dort vor allem der Erwachsene, der die vielfältigen Versuche des Kindes, sich zu bewegen oder zu äußern, bestätigt, bestärkt – spiegelt. Zunehmend wird aber deutlich, dass auch das Kind den Erwachsenen motiviert, manipuliert, herausfordert und eine angemessene Reaktion braucht. Bleiben solche Reaktionen aus, beziehen sie sich nicht auf den Input, sind sie für das Kind nicht verständlich, wird das Kind irritiert, frustriert. Auf der Suche nach einer eigenen, inneren  Antwort entwickelt sich dysfunktionales Verhalten.

Es zeigt sich, dass Lernen jeglicher Art ein Interaktionsprozess ist, der ohne dieses Sich auf einander Beziehen’ nicht möglich ist. In gleicher Weise gilt dies für psychotherapeutische Prozesse. In welchem Setting Psychotherapie auch stattfindet, es braucht immer den Therapeuten als Interaktionspartner.

Daniel Stern beschreibt in seiner Entwicklungspsychologie, wie sich das Selbstbewusstsein eines Menschen in mehreren Phasen vollzieht, die sich nicht nacheinander ablösen, sondern aufeinander aufbauen. Die erste Phase, ‚das aufsteigende Kernselbst’ (Stern 1992), weckt mein besonderes Interesse, weil es ohne Beziehung zu anderen Menschen, ohne Interaktionspartner auszukommen scheint. Z.B.: Ein Säugling strampelt mit den Beinen und stösst gegen eine Wand. Durch diesen Druck spürt er, wie sich sein Körper bewegt. Diese Bewegung spürt er an den Körperteilen, mit denen er auf der Unterlage liegt oder daran, dass sich Gegenstände aus seinem Blickfeld entfernen. Wiederholt sich diese Bewegung, erfährt er, dass er sie mit seinen Beinbewegungen bewirkt.

Es kann auch sein, dass er verschiedene Töne hört. Doch es gibt Töne, die er gleichzeitig spürt. Es summt und brummt in seinem Körper. Andere Töne verursachen keine körperlichen Empfindungen. Daraus folgt die Erfahrung, dass es Töne gibt, die aus mir sind, die zu mir gehören. Andere Töne scheinen mit mir nichts zu tun zu haben.

Oder im Magen spürt der Säugling Leere. Sie ist unangenehm und er schreit. Bald darauf erscheint eine Brust, an der er saugen kann und die diese Leere füllt. Sein Schreien hat diese Wirkung – er selbst ist es, der es bewirken kann.

Mit all diesen Erfahrungen formt sich im Säugling eine Ahnung von dem, was zu ihm gehört, was er ist, was er bewirken kann. Es ist das erste Auftauchen eines möglichen Selbstbewusstseins. Stern nennt es das ‚aufsteigende Kernselbst’.

Für diese Erfahrungen braucht der Säugling keinen Kontakt zu seinen Bezugspersonen. Er ist nur mit seinem Körper, seinen Empfindungen und den erreichbaren Gegenständen um sich herum beschäftigt. Trotzdem lernt er nicht ohne Beziehung. Die Bewegung seiner Beine verknüpft er mit den Empfindungen, dass er sich fortbewegt. Die Töne, die er hört, setzt er in Beziehung zum Brummen, das er in seiner Brust wahrnimmt. Die Brust, die seinen Hunger stillt, taucht auf, wenn er schreit.

Immer gibt es eine Interaktion zwischen der Welt draussen und seinen eigenen motorischen und sensorischen Empfindungen. Aus dieser Interaktion heraus beginnt der Säugling die Entwicklung seines Selbst und lernt, für ihn Wichtiges zu bewirken. Natürlich braucht er für seine weitere Entwicklung auch die Interaktion zu den Menschen. Aber es ist nicht die einzige Beziehung, die ihn hält, nährt und fördert.

Diese Art des Säuglings über die Interaktion zwischen seinen Empfindungen und der Umgebung zu lernen, wird er nie verlieren. Andere Möglichkeiten werden zusätzlich entwickelt, wie die zwischen Sich, seiner Gewissheit von sich und den Reaktionen anderer Menschen.

Diese Beobachtungen können unsere Vorstellungen vom Wesen und der Bedeutung von Beziehung im Prozess menschlicher Entwicklung deutlich erweitern. Beziehung beschreibt nicht nur die Interaktion zwischen Menschen, sondern auch die der Menschen zu den umgebenden Dingen. Immer bringen wir uns in eine Beziehung zu Menschen, Tieren, Gegenständen, der Natur, Ideen und sozialen Verhältnissen. In diesem Interaktionsprozess gibt es eine Vergewisserung, Reflexion, Neubewertung der Beziehung mit der Möglichkeit, sie zu verändern, zu erweitern.

Dieses erweiterte Verständnis von Beziehung können wir besonders gut im körperpsychotherapeutischen Geschehen beobachten und nutzen. Denn neben der Beziehungsarbeit zwischen Klient und Therapeut versuchen wir, den Klienten in eine Beziehung zu bringen zu seinem Körper mit seinen vielfältigen Empfindungen. Wenn dies gelingt, bringt der Klient diese Empfindungen selbst in Beziehung zu seiner Geschichte, zu den aufsteigenden Bildern und Gefühlen. Es entsteht eine Interaktion zwischen diesen unterschiedlichen Ebenen einer Person. Sie lernen, miteinander in einen verstehenden, klärenden und heilenden Dialog zu kommen. Ist er ausreichend vorangeschritten, führt er zu mehr Selbstverständnis, Selbst.- Bewusstsein und Autonomie. In diesem Prozess ist der Therapeut zwar anwesend, am Beziehungsgeschehen selbst aber nicht beteiligt.

Beziehungsarbeit in der Körperpsychotherapie meint

  • Entwicklung und Reflexion der Beziehung des Klienten zu seinen Mitmenschen, auch über das Übertragungsgeschehen zum Therapeuten,
  • die Beobachtung und Förderung der Beziehung des Klienten zu seinem Körper, seinen Empfindungen, Gefühlen, Erinnerungen und seinem Bewusstsein.
  • Diese Sichtweise über Bindung und Beziehung erweckt den Eindruck, dass der Säugling erst eine Bindung und Beziehung zu seinem Körper und der Umwelt herstellt. Erst danach entwickelt er sie aufgrund von vielen geglückten Interaktionsprozessen zu Mutter, Vater und den anderen nahen Pflegepersonen. Dies widerspricht natürlich vielen Erfahrungen über enge Bindungen und Gefühle, die vom Tag der Geburt an das Leben zwischen Mutter und Kind bestimmen. Es gibt noch andere Formen von Bindung und Beziehung, die schon wirken, bevor die beschriebenen Interaktionsprozesse möglich werden. Hier soll nur auf einen spezifischen Aspekt des Bindungsgeschehens hingewiesen werden, der für bioenergetische Konzepte besonders interessant ist.

 

3.  Eine sichere Bindung und  Beziehung ist der Wechsel aus Stabilität und Instabilität. Die Krise ist die Normalität

Um die optimale Entwicklung eines Kindes zu garantieren und zu fördern, müssen Bindung und Beziehung zum sorgenden Erwachsenen stabil und sicher sein.

Dies suggeriert die Vorstellung, dass Eltern immer liebevoll sein müssen, Verständnis haben, Halt geben und dafür immer die notwendige Zeit und Raum haben. Allerdings ist so eine Haltung kaum durchzuhalten. Wenn es dann in der Familie zu schweren Krisen und Trennungen kommt, erscheint eine traumatische Entwicklung  für das Kind unausweichlich. Manche entwicklungspsychologischen  Beobachtungen scheinen aber eine differenziertere Bewertung von Krisensituationen im Leben eines Säugling zu erlauben:

Es gibt natürlich diese Harmonie zwischen Mutter und Kind, wenn das Kind gestillt und zufrieden in ihrem Arm liegt und die Mutter diese Zweisamkeit und ihr Glück genießt, ein gesundes Kind zu haben. Aber eines Tages hat die Mutter nicht mehr so viel Milch, dass das Kind satt und zufrieden sein wird. Die Sicherheit des Kindes, an der Mutterbrust ausreichend Nahrung zu finden, wird erschüttert, es wird sich existentiell bedroht fühlen und schreit. Die Mutter beginnt, mit „Ersatznahrung“ zu füttern und nach einiger Zeit wird sich das Kind mit der neuen Situation erst arrangieren, dann einverstanden sein. Die Krise wird durch die Mutter wieder beigelegt, die bedrohte Sicherheit wieder hergestellt.

Oder eines Tages entdeckt das Kind den Reiz, mit anderen  kleinen Kindern zu spielen. Die mögen die gleichen Spiele, sind ihm ähnlicher, die Verständigung ist einfacher. Es zieht den Kontakt mit ihnen der Mutter vor. Nun gerät die Mutter in eine Krise, fühlt sich zurückgewiesen, vermisst die zärtliche Nähe und Harmonie. Sie wird etwas Zeit brauchen, bis sie das akzeptieren, sich sogar über diese Entwicklung freuen kann. Die Beziehung gerät in eine Krise, die Bindung wird lockerer und muss sich erst wieder auf einer neuen Ebene einrichten. Dieser Wechsel von Krise und ihrer Überwindung prägt die gesamte Entwicklung eines Kindes. Die notwendige ‚sichere Bindung’ besteht nicht aus dem Fehlen von Krisen und Brüchen, sondern aus der Fähigkeit aller Beteiligten, sie zu überwinden. Die Krise ist nicht die Ausnahme, sondern Normalität. Menschliche Entwicklung geschieht in den gleichen Strukturen, mit denen in unserer Welt Neues geschaffen wird: Veränderungen gibt es nur durch einen Zustand von Ungleichgewicht oder, das Chaos ist ihre notwendige Bedingung .

Menschen, unabhängig von ihrem Alter und Entwicklungsstand geraten nicht dadurch in Not und Schwierigkeiten, weil sie mit Krisen und Brüchen konfrontiert sind, sondern  weil sie gelernt haben, sie als Katastrophe zu begreifen. Sie wurden nicht ermutigt, Lösungen zu entwickeln und sie durchzusetzen.

Ausserdem zeigt die Forschung über die Entwicklung von Menschen und Tieren, dass die Beziehung zur Bezugsperson nicht zu jeder Zeit von gleich hoher Qualität sein muss. Aber bestimmte Ereignisse in der Entwicklung brauchen diese optimale Qualität an Unterstützung und ein ganz spezifisches Verhalten der Pflegenden. Das bedeutet dass Entwicklung in sensiblen Phasen verläuft und oft nur in einem bestimmten Zeitfenster möglich ist – nicht früher und nicht später. Wenn man z.B. die Augen von bestimmten jungen Vögeln für eine bestimmte Zeit verbindet, werden sie auch danach nie mehr sehen lernen. Dieser Vogel muss dazu seine Augen zu einem bestimmten Zeitpunkt benutzen können.

Es würde sicher eine lange Zeit in Anspruch nehmen – wenn es überhaupt möglich wäre – um alle spezifischen Fenster zu entdecken, in denen spezifische Haltungen, Verhaltensweisen und Empfindungen entwickelt werden. Es ist auch völlig unmöglich, dass sie Eltern all dieser Fenster bewusst sind. Das bedeutet aber auch, dass selbst verantwortungsvolle und liebende Eltern in ihren Kindern Probleme und Traumen verursachen können, und niemand wird die vernachlässigten Fenster jemals bemerken. Deshalb besteht die wichtigste Aufgabe nicht darin, keine Probleme und Traumen zu verursachen, sondern in der Unterstützung der Kinder, diese zu überwinden.

 

4. Über die Flexibilität von Verhaltensmustern.

Die gesamte Entwicklung eines Menschen ist davon geprägt, für die unterschiedlichsten Situationen Verhaltensmuster zu entwickeln. Sie erlauben die Regulation von körperlichen Funktionen, emotionalen Befindlichkeiten und sozialen Beziehungen ohne längere Überlegungen. Diese Verhaltensmuster werden im Kontakt mit der Umwelt und insbesondere mit den Bezugspersonen erfahren und gelernt. Schwierige und traumatische Lebenssituationen und Beziehungen fördern dann auch dysfunktionale  Verhaltensmuster. Da in den ersten Jahren besonders viele und wichtige Muster ausgebildet werden, bekommt ihre Qualität im psychotherapeutischen Prozess eine besondere Bedeutung. Probleme, die in späteren Lebensphasen auftauchen, wenn es um den Aufbau neuer Kontakte geht, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, werden mit ungünstigen Entwicklungserfahrungen in diesen frühen Lebensjahren in Zusammenhang gebracht. In vielen Fällen ist das sicher auch eine zutreffende Verknüpfung, weil diese Erfahrungen Verhaltensmuster schaffen, die bei Bedarf immer wieder aktiviert werden, um eine Situation schnell und effektiv bewältigen zu können. Passen diese Muster nicht zur neuen Aufgabe, können und dürfen sie aufgrund der früheren Erfahrungen nicht verändert werden, dann kann die neue Lebenssituation nicht gut bewältigt werden – Beziehungen scheitern, autonomes Leben kann nicht entstehen.

Entwicklungspsychologische Konzepte von Oerter – Montada u.a. (Oerter – Montada 2002) machen nun aber sehr deutlich, dass die späteren Lebensphasen eines Menschen noch einmal ganz eigene Entwicklungs- und Lernprozesse darstellen, die auch unabhängig von den früheren Erfahrungen neue und alternative Verhaltens- Denk- und Gefühlsmuster ausbilden können. Z.B.: Ein Junge aus einer Familie, in der Erotik und Sexualität tabuisiert und entwertet sind, trifft durch Zufall in der Pubertät auf eine junge Frau mit einer lustvollen und unbekümmerten Einstellung zur Sexualität, die diesen Jungen mag, respektvoll und einfühlsam mit ihm umgehen kann. Bei ihr und mit ihr erlebt er zum ersten Mal  die Freuden sexueller Begegnung. Er wird leicht und gerne ihre Einstellung zur Sexualität übernehmen, die alten Normen und Ängste werden in den Hintergrund treten. Er erlebt in diesem Bereich eine neue Sozialisation.

Ähnliche Beobachtungen gibt es mit Jugendlichen, die ihre ganze Schulkarriere als Versager erleben, auch kein Interesse mehr an  Leistung zeigen. Werden sie in irgendeinem Arbeitsprozess gefordert,  können sie plötzlich unglaubliche Fähigkeiten an Leistung, Pünktlichkeit, Verantwortung entwickeln.

Wie viele Jugendliche bekommen Kinder und werden über Nacht zu sehr fürsorglichen Müttern und Vätern – meist ohne therapeutische Unterstützung.

Jede Lebensphase, Besuch des Kindergartens, Schulbeginn, Schulwechsel, Start ins Berufsleben, Gründung von Partnerschaft und Familie, Ortswechsel, Ruhestand, Sterben, bringt den Betroffenen in eine Krise mit vielen Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung. Nur, wenn diese Krisen nicht aus eigener Kraft bewältigt werden können, kann psychotherapeutische Unterstützung notwendig werden. Die Gründe für auftauchende Schwierigkeiten sind häufig vielfältiger als unbefriedigende Beziehungskonstellationen in der frühen Kindheit: Kommt z.B. ein Kind zu einem Zeitpunkt in den Kindergarten, zu dem es noch kein Bedürfnis spürt, die Welt ausserhalb der Mutter zu entdecken, kann dies zu einem traumatischen Ereignis werden. Es fühlt sich im Stich gelassen und seine sichere Welt bricht zusammen. Wenige Wochen zu früh können einen prägenden Effekt haben.

Diese Vorstellungen können sehr hilfreich werden, wenn wir versuchen, mit Teenagern therapeutisch zu arbeiten, denn es ist schwierig, sich mit ihnen ihre frühe Geschichte anzuschauen. Viele haben daran überhaupt kein Interesse. Sie wollen aber wissen, wie die Welt der Erwachsenen funktioniert und suchen nach Partnern, die ihnen das zeigen können, die sie verstehen und Orientierung geben können. Dies ist eine sehr gute Möglichkeit, alte Verhaltensmuster zu überprüfen und neue zu schaffen.

Das wirkliche Leben ist mehr als die Wiederholung frühkindlicher Erfahrungen und Muster. Es bringt immer auch neue Möglichkeiten und Schwierigkeiten  -  bis zu unserem letzten Atemzug.

 

5. Wie Selbstbehauptung zur Aggression wird.

Biologische Konzepte über das Verhalten von Tieren und Menschen beschreiben aggressive Impulse als angeborene und notwendige Aktionen, um das eigene Leben zu schützen, zu erhalten und zu gestalten. In der Bioenergetische Analyse ( Lowen 1979) und in anderen psychotherapeutischen Konzepten gibt es ähnliche Vorstellungen. Es wird dann aber auch zwischen guten und schlechten Aggressionen( oder Aggression und Destruktion)  unterschieden. Diese moralische Kategorie in der Definition von Begriffen ist grundsätzlich problematisch und verhindert ihre Eindeutigkeit.

Martin Dornes macht dagegen in seiner Entwicklungspsychologie die hilfreiche Unterscheidung zwischen Selbstbehauptung und Aggression (Dornes 250 ff.):

Die aggressiven Impulse, die man schon bei Säuglingen beobachten kann, dienen ausschließlich seinem Interesse, die Welt zu erkunden und sich von diesem Ziel nicht abbringen zu lassen. Es sind Impulse der Selbstbehauptung. Ein Säugling, der den neuen Couchtisch verkratzt, mag vielleicht die Geräusche oder die Bewegungen, die dabei entstehen. Wenn man ihn an dieser Tätigkeit hindert, schreit er und versucht, weiter kratzen zu können. Legt man ihm eine Pappe auf den Tisch, wird er zufrieden weiter kratzen.

Es gibt Berichte über Säuglinge, die ihre Mütter unentwegt ins Gesicht schlagen und an den Haaren ziehen, was diese manchmal sehr kränkt. „ Was bist du für ein böses Kind, schlägst die liebe Mama, da hat sie dich aber gar nicht mehr lieb, usw. “. Das Kind entdeckt dabei vielleicht, dass es den Kopf der Mutter bewegen kann, wenn es an ihren Haaren zieht. Der Kopf geht dann wieder zurück und das Kind versucht, ihn wieder zu sich zu ziehen. Das ist ein spannendes und lustiges Spiel, was auch die Erfahrung bringt, wie stark das Kind schon ist, wenn es diesen großen Kopf bewegen kann. Die Mutter interpretiert diese Aktion aber aufgrund ihrer eigenen Persönlichkeit als Angriff und Ablehnung. Das Kind wird für seine Experimente bestraft und zurückgewiesen. Das Kind reagiert mit immer heftigeren Aktionen, sich und seinen Willen durchzusetzen. Schließlich kommt es zu einem Verhaltensmuster, welches das Kind bei jeder Äußerung der Mutter aktiviert. Selbst beim Auftauchen eines Erwachsenen ist der Impuls zur Abwehr und Selbstbehauptung schon aktiviert. Er wird als Feind wahrgenommen und behandelt. An diesem Punkt wird die Selbstbehauptung zur Aggression. Die Aggression ist nur noch Ausdruck von Abwehr und Feindseligkeit – unabhängig von einem Ziel oder Wert, für das man streiten muss.

Studien haben gezeigt, dass dieser Wechsel von Selbstbehauptung zur Aggression mit dem 5 – 6 Lebensjahr abgeschlossen sein kann und bis ins Erwachsenenalter stabil bleibt (Dornes 268 ff.). Therapeutische Maßnahmen können dann vor allem nur noch durch ein Training zur Aggressionskontrolle gelingen oder durch gesellschaftliche Normen und Sanktionen, die von außen helfen, Wut, Aggression und die Lust, andere leiden zu lassen, zu bändigen (Dornes 281 ff.).

Jose Luis Gomes von Amnesty International hat auf der IIBA Konferenz in Sevilla 2007 in einem bedrückenden Vortrag die zunehmende Gewalt, die Kriege und Folter überall in der Welt dargestellt. Bei der Analyse der Ursache und der Frage nach den Möglichkeiten, diese Schrecken und Qualen zu beseitigen, zeigte sich in der gesamten Versammlung große Ratlosigkeit.

Mich beschäftigt nun die Frage, ob das dargestellte Modell der Aggressionsentwicklung, die Art und Weise, wie in vielen Kulturen mit den Impulsen und Bedürfnissen der Kinder umgegangen wird, auf eine wesentliche Quelle für die Entstehung dieser Gewalt hinweist:

Es wurde deutlich, dass die Eltern die Experimentierfreudigkeit und das Streben ihrer Kinder nach Selbstbehauptung missverstehen können, abwerten und unterbinden. Dies kann beim Kind ein Muster entstehen lassen, jede Reaktion, jedes Erscheinen der erwachsenen Person als feindlich zu erleben. Jeder Kontakt, jedes Beziehungsangebot wird bekämpft. Natürlich werden auch diese aggressiven Gefühle, Wünsche und Fantasien unterdrückt – durch Gewalt, Liebesentzug, religiöse, moralische und gesellschaftliche Normen. Solche Menschen, die in einer emotional repressiven Umgebung heranwachsen, kennen schließlich das aggressive Potential gar nicht, das in ihnen steckt. Außerdem haben sie nie in ausreichendem Masse gelernt, ihre Gefühle selbstverantwortlich zu regulieren. Sie wurden auch nie unterstützt, Widerstand gegen Forderungen zu leisten, die ihren eigenen Lebens- und Wertvorstellungen widersprechen. Richtig ist immer das, was der andere, Mächtigere meint und will.

Werden solche Menschen mit Forderungen konfrontiert, andere zu töten, zu foltern, woher sollen sie die Kraft zum Widerstand nehmen? Leben diese Menschen in Situationen, in denen die Normen mit der sozialen Kontrolle wegfallen, was soll sie dann noch vom Foltern und Morden abhalten? Solche Bedingungen scheinen in den Gefängnissen im Irak entstanden zu sein. Die Soldaten waren auf sich allein gestellt, eine eigene Subkultur, ohne Kontrolle von außen und mit sehr viel Angst.

Nach dem 2. Weltkrieg hat viele Menschen die Frage umgetrieben, warum so viel gut erzogene, christlich gebildete Menschen zu Helfern und Mördern im deutschen Faschismus werden konnten, viele auch ohne Not vor eigener Unterdrückung. Es gibt Studien, die deutlich zeigen, dass die Täter in der Regel eine emotional repressive Erziehung erlebt hatten (Adorno 1971, Adorno 1950). Es gab kein Wissen und keine Kraft für inneren und äußeren Widerstand.

Wenn das Morden und Foltern auf dieser Welt ein Ende nehmen soll, dann sollten wir uns genau anschauen, wie unsere Kinder in den verschiedenen Kulturen erzogen werden.  Wie ist das Verhältnis zwischen dem Respekt vor dem Kind mit seinen eigenen Impulsen und Vorstellungen und den gesellschaftlich notwendigen Grenzen?

Wenn die bioenergetische Gemeinschaft sich verpflichtet fühlt, sich für eine gerechtere und heilere Welt einzusetzen, dann könnte sie sich mit ihrem spezifischen Wissen darum kümmern, diesen Sachverhalt gut aufzuklären und in die gesellschaftliche Diskussion einzubringen. Die Art und Weise, in der Kinder erzogen werden, kann keine Privatangelegenheit sein und zunehmend auch nicht im Belieben einer bestimmten Kultur stehen – wenn diese Welt friedlicher werden soll.

 

Literatur

Adorno, Theodor W.(1971): Erziehung nach Auschwitz. In: Ders.(1971): Erziehung zur Mündigkeit. Vorträge und Gespräche mit Hellmut Becker 1959-1969. Frankfurt(M), S.88-104

Adorno, Theodor W. (1973). Studien zum autoritären Charakter

Adorno, Theodor W., E. Frenkel, Levinson D.J.. Stanford, R.N. (1950). The Authoritarian Personality.

Boadella, David (1981) Wilhelm Reich, Leben und Werk, Scherz

Dornes, Martin (1997)  Die frühe Kindheit. Frankfurt, Fischer

Lowen A (1979): Bioenergetik. Rororo, Reinbeck b. Hamburg.

Oerter, Rolf; Montada Leo(2002). Entwicklungspsychologie. Ein Lehrbuch. Beltz, Weinheim

Salber, Linde (1977) Piagets Psychologie der Intelligenz. Schwann, Düsseldorf

Spitz, René A. (1969) Vom Säugling zum Kleinkind. Klett, Stuttgart

Stern, Daniel N. (1992) Die Lebenserfahrung des Säuglings, Stuttgart

 

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