Die funktionale Identität von Körper, Seele, Geist

© Rainer Mahr

Beitrag für den Workshop: „Die Arbeit mit der Bioenergetischen Analyse: verschiedene Akzente, verschiedene Paradigmen ?“ XIX International Conference oft he IIBA, Sevilla, 2007

 

Lassen sie mich mit einer kleinen Geschichte beginnen:

Ich ging einmal durch die Stadt ohne ein besonderes Interesse. Um mich herum waren viele Menschen auf der Straße,  junge und alte Menschen, auch schöne Frauen. Plötzlich wurde mir schlecht. Mein Herz begann heftig zu schlagen, der Puls ging hoch, die Brust wurde eng, einige Blitze schossen durch meinen Körper.  „Oh mein Gott, ich bekomme einen Herzanfall. Ich brauche schnell Hilfe oder ich werde sterben.“  Als ich mich verzweifelt nach Hilfe umschaue, bemerke ich eine Frau, die mir schon vorher aufgefallen war.  Sofort wurde ich schon wieder von einem mächtigen Blitz getroffen.  „Wow – was für eine wundervolle Frau!  So etwas habe ich ja noch nie gesehen!“  Diese Frau muss ich als Freundin haben – nein, sie muss meine Frau werden. Mit ihr will ich eine Familie gründen, Kinder haben. Mein Leben wird sich völlig verändern und ich werde glücklich sein bis ans Ende meiner Tage.

„Ok, du bist nicht krank, sondern hast dich gerade verliebt“.  Ich musste nun herausfinden, wie ich mit ihr in Kontakt kommen kann – eine schwierige Aufgabe.

„Ach, lass lieber die Finger davon. Vielleicht ist sie gar nicht an dir interessiert und wird dich zurückweisen.“

„Das ist immer das gleiche Desaster mit dir. Du hast so viel Angst vor Frauen. Umso schöner die Frauen, umso größer wird deine Angst.  Willst du diese Frau heiraten, dann musst du deine Angst aushalten.“

Also entwickelte ich einen Plan, mit ihr in Kontakt zu kommen – der Anfang von einem Happy End.

Diese Geschichte kann zeigen, was wir mit der funktionalen Einheit von Körper, Seele und Geist meinen:

Am Anfang stehen verschiedene Empfindungen– meist nennen wir sie Gefühle.  Sie werden in meinem Gehirn wahrgenommen und zeigen an, dass irgendetwas mit mir los ist. Ich muss mich um mich kümmern, nach einem Arzt suchen oder nach einer anderen Hilfe.  Zusätzlich zu meiner körperlichen Erregung  nehme ich diese Frau wahr. Beide Informationen  werden nun in meinem Gehirn zu einem einheitlichen Bild miteinander verbunden. Durch diesen körperlichen Prozess bekommt meine Erregung eine neue Bedeutung, ein anderes Gefühl: Ich bin nicht krank, sondern verliebt.

Man kann also sagen: Gefühle sind die Repräsentation verschiedener, miteinander  verbundenen Empfindungen im Gehirn.  Oder -  das Gehirn  erschafft Gefühle durch die Verquickung verschiedener Empfindungen  und durch ihre Darstellung im Gehirn.

Durch diesen Prozess der Verquickung körperlicher Empfindungen wird die psychische Welt lebendig. Die psychische Realität ist das Ergebnis eines Selbstregulierungsprozesses im Körper, der mir bewusst wird. Sie scheint einem Bildschirm zu ähneln, auf dem man den Zustand des Organismus ablesen kann.  All diese Gefühle und Bilder zeigen an, wie der Körper gerade neu reguliert werden muss oder was er dafür von der Aussenwelt  oder der sozialen Umwelt braucht.

Meine Geschichte zeigt,  dass ich ohne das Gefühl, verliebt zu sein, in der Klinik gelandet wäre. Dieses Gefühl ist es, das mich dazu bringt über Möglichkeiten nachzudenken, mit dieser Frau in Kontakt zu kommen.

Ich beginne auch, darüber nachzudenken, wie ich mein altes Muster, meine Angst vor Frauen, überwinden kann.  Ich mache Hochzeitspläne, überlege, wo ich mit meiner Familie leben, wie viele Kinder ich haben will. D.h., die Gefühle initiieren einen Denkprozess. Oder: Ohne Gefühle, Empfindungen, körperliche Reaktionen, sind Denken und rationale Entscheidungen nicht möglich.

 

Es gibt eine untrennbare Verquickung zwischen Empfindungen (Gefühlen), Denken und Verhalten:

  • Verhalten ist immer mit spezifischen Gedanken oder Ideen und mit Gefühlen verbunden.  Es geschieht nichts ohne Gefühle wie z.B. Interesse, Angst, Aggression, Freude usw.
  • Denken ist immer mit Bildern und Ideen verbunden, welche die Repräsentation von körperlichen Empfindungen und Prozessen im Gehirn darstellen.  Ohne Bilder können wir nicht denken.
  • Gefühle sind der Motor oder die Energie für Denken und Verhalten.

Deshalb brauchen wir einen guten Kontakt zu unseren Gefühlen, wenn wir klar denken wollen und wichtige Entscheidungen treffen müssen. Verhalten lässt sich nur ändern, wenn auch die mit ihm verbundenen Gefühle sich ändern.

Alle Verhaltensmuster, Einstellungen, Regeln und Ideen, die in der Psychotherapie verändert werden sollen, sind eine Summe von Gefühlen, Gedanken und Verhalten.  Mit welcher psychotherapeutischen  Methode auch gearbeitet wird,  alle drei Ebenen müssen berührt werden.  Es ist daher auch nie möglich, ohne den Körper zu arbeiten.

Man mag einwenden, dass ich mich nur auf den menschlichen Organismus, seine Strukturen und Prozesse beziehe.  Das erklärt aber nicht, was uns lebendig macht, und warum wir leben.  Es muss eine Kraft ausserhalb unseres Körpers und ausserhalb der uns bekannten Welt geben. Dem stimme ich zu. Ich beschränke meine Konzepte aber auf die Daten, die beobachtet und erfahren  werden können.  Ich schaffe mir keine Antworten auf Fragen,  für die es unmöglich erscheint, Antworten zu finden.

Manche Menschen sprechen von einem Geist (anstatt von Gott), der menschliches Leben ermöglicht und reguliert. Man beachte aber bitte, dass dieser Geist völlig verschieden sein muss von der geistigen Struktur in uns.

 

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