Rainer Mahr

Über die Beziehung von emotionalen und kognitiven Aspekten in der Bioenergetischen Analyse.

 

Die Bioenergetische Analyse legt in ihrer Arbeit großen Wert auf die Wahrnehmung körperlicher und emotionaler Zustände und auf die Fähigkeit, sie in angemessener Weise auszudrücken. Dieser Fokus soll mit den folgenden Überlegungen auch nicht in Frage gestellt werden. In unserer praktischen Arbeit sind wir aber nicht nur mit emotionalen Prozessen beschäftigt. Es wird auch gesprochen, reflektiert, um Gefühle zu verstehen, einzuordnen und alternative Verhaltensweisen zu entwickeln. Manchmal kommt es dabei im Therapeuten zu Verunsicherungen mit der Überlegung, ob er dann noch als Bioenergetiker richtig arbeitet, oder ob das bioenergetische Konzept ausreichend ist, um angemessen zu reagieren. Vielleicht sollte die bioenergetische Methode mit anderen ergänzt werden. In unseren Therapiesitzungen werden wir das tun, was notwendig ist – das emotionale Geschehen fördern und kognitive Prozesse zulassen. Die Frage, ob dies mit der reinen bioenergetischen Lehre übereinstimmt, ist dann weniger interessant.

Trotzdem gibt es die Frage, ob es eine strukturelle Verbindung zwischen dem emotionalen und kognitiven Geschehen gibt. Sind beide Aspekte vielleicht untrennbar miteinander verbunden? Wie kann man sie dann beschreiben?

Wichtige Impulse und Erfahrungen zu diesen Überlegungen habe ich beim Erlernen des Saxophonspiels bekommen. Deshalb will ich zunächst von ihnen berichten und sie dann nutzen, um die  Verbindung zwischen emotionalen und kognitiven Aspekten im bioenergetischen Konzept  darzustellen.

 

Saxophon spielen ist Fühlen, Denken, Verhalten

Das Saxophon ist für mich das bioenergetische Musikinstrument schlechthin: Entscheidend für einen Ton, vor allem einen guten, berührenden Ton, ist der Atem. Die Luft muss aus dem Körper durch das Instrument frei und ungehindert strömen können. Alle Blockierungen durch Zwerchfell, Atemmuskulatur, Hals, Kiefer, werden ihn beeinträchtigen. Mit diesem Luftstrom werden dann auch Emotionen und Gefühle zu Gehör gebracht. Die Musik entsteht eigentlich im Körper selbst und nicht erst im Instrument.

Wenn ich mich nun beim öffentlichen Spiel nur auf den Ausdruck meiner Gefühle einstelle und durch irgendeine Reaktion irritiert werde (ein Zuhörer beschäftigt sich mit seinem Handy, anstatt meinem Spiel zu lauschen), fliege ich raus, weiß plötzlich nicht mehr weiter, und ich komme nicht mehr ins Spiel zurück, weil ich nicht weiß, welche Noten ich an dieser Stelle spielen muss. Mein Lehrer hat mich davor wiederholt gewarnt und ich habe es mehrfach erlebt. Nur das Gefühl agieren zu lassen, ist, als würde man blind Auto fahren.

Ohne Kognition, Denken, Wissen, Vorstellung und Kontrolle kann erfolgreich kein Musikinstrument gespielt werden.

Vor meiner ersten Musikstunde bei meinem Lehrer Gernot Dechert hatte ich schon einige Zeit autodidaktisch gelernt und mich auf diese erste Stunde mit einem Stück zum Vorspielen besonders vorbereitet. „Nicht schlecht“, meinte er. „Es hat was, so als würdest du eine Geschichte von dir erzählen. Aber, es ist nicht das, was auf dem Notenblatt steht.“ Der Takt stimmte nicht, die Pausen wurden nicht beachtet, es war ein anderer Rhythmus. Ich musste lernen, dass es in der Musik nicht nur um Gefühle geht, sondern auch um Mathematik, um das Verhältnis von Tönen, Pausen in einer vorgegebenen Zeit. Bisher hielt ich Pausen für ziemlich überflüssig. Doch ohne sie verlieren die Töne ihre Wirkung.

Natürlich müssen sehr begabte Musiker oft nur einmal ein Stück hören, um es dann spielen zu können. Andere sind mit Musik in ihrer Umgebung aufgewachsen und lernen Neues ohne besondere Anstrengung.  Andere Menschen müssen Musik wie eine Fremdsprache lernen, brauchen viel Training und Ausdauer. Dieser Weg hat den Vorteil, die Strukturen der Musik und des Lernens besser zu begreifen:

Die Notwendigkeit, viel und ausdauernd zu üben, wenn ein Instrument gut gespielt werden soll, ist allgemein bekannt.  Üben meint dann, dass ein Verhalten, eine Tätigkeit immer wiederholt werden muss, bis sie flüssig und fehlerlos jederzeit abgerufen werden kann. Dabei werden im Gehirn Verbindungen zwischen Nervenzellen hergestellt und durch die Wiederholung stabilisiert. Wird nun ein Musikstück zum ersten Mal mit vielleicht 20 Fehlern gespielt, dann werden natürlich auch diese Fehler gespeichert und beim Wiederholen stabilisiert. Zwar wird versucht, die Fehlerrate bei den Wiederholungen zu reduzieren, was aber nicht leicht ist. Die fehlerhafte Version ist ja schon programmiert und einigermaßen stabil. Dazu kommt, dass viele Fehler gar nicht gleich auffallen, also immer wieder gemacht und verstärkt werden. Das Üben wird zu einem zähen Kampf zwischen der Verfestigung von fehlerhaftem Spiel und seiner Korrektur.

Auf einen Ausweg hat mich inzwischen Gernot Dechert gebracht und dabei auch gezeigt, wie komplex solche Lernprozesse eigentlich sind:

  • Wird ein neues Stück einstudiert, wird das Instrument erst einmal auf die Seite gelegt.
  • Die Tonart und Struktur des Stückes wird geklärt. Es zeigt sich z.B., dass die ersten vier Takte wiederholt werden, man also weniger lernen muss. Aber die letzte Note der Wiederholung ist anders. Darauf muss also besonders geachtet werden, usw.
  • Das Stück wird von der ersten bis zur letzten Note laut durchbuchstabiert. Das offenbart häufig eine Diskrepanz zwischen dem, was gesehen und dem, was ausgesprochen wird. Können die Noten nicht flüssig buchstabiert werden, kommt es auch zu Verzögerungen und Fehlern beim Spiel.
  • Das Stück wird im vorgegebenen Takt und Rhythmus durchgezählt und gesungen.
  • Mit dem Instrument werden die Töne gegriffen – eingefingert- aber nicht angeblasen.
  • Nun darf richtig gespielt werden – aber nur bis zum ersten Fehler, oder nur die ersten Takte. Diese Sequenz wird so lange wiederholt, bis sie 4mal Fehlerfrei hintereinander gespielt werden kann (Fehler tauchen meist in der 3. oder 4. Wiederholung auf, wenn die Konzentration nachlässt). Erst dann ist sie stabil. Die auftauchenden Fehler stammen meist von älteren Sequenzen, früheren Mustern, die sich durchsetzen, wenn sie nicht gut kognitiv kontrolliert werden.
  • Geübt wird nicht in der Originalgeschwindigkeit, sondern wesentlich langsamer. Ist diese langsame Version stabil, wird sie schrittweise schneller gespielt.
  • Lernen ist nach dieser Darstellung kein einheitlicher Prozess. Er findet im Gehirn in ganz unterschiedlichen Arealen statt: Es gibt eine kognitiv analytische Region, um die Struktur des Stückes zu verstehen, in einer anderen werden Noten wahrgenommen und bewusst erkannt. Takt und Rhythmus sind mathematische Strukturen, die in ganz eigenen Bereichen verarbeitet und gelernt werden. Die technischen Fertigkeiten entstehen auf der motorischen Ebene. Schließlich spielen die Vorstellung von einem Stück, sein Sound, evtl. vom bevorzugten Interpreten, eine wichtige Rolle.

Es scheint uns nicht leicht zu fallen, diese unterschiedlichen Ebenen auf Anhieb gleichzeitig zu beherrschen. Besser ist es, jede Ebene gesondert zu trainieren und sie dann alle zu synchronisieren. Doch wenn ein Stück auf diese Weise perfekt eingeübt ist, ist das noch lange keine Musik. Aber es ist die Grundlage und Voraussetzung, um Musik machen zu können, um Gefühle auszudrücken und Geschichten zu erzählen.

 

Fühlen – Denken - Verhalten

Es sind inzwischen nicht nur die Psychotherapeuten, die Wert und Bedeutung des emotionalen Geschehens besonders betonen. Die Notwendigkeit, das Gefühlslebens zu respektieren und zu fördern, ist im Mainstream angekommen.  Da wird oft genau unterschieden zwischen den guten Gefühlen, die erwünscht sind, und den schlechten Gefühlen, die kontrolliert und sanktioniert werden sollen, also irgendwie falsch sind. Warum sind sie so in den Mittelpunkt unseres Interesses geraten? Sind sie nur Beiwerk, um unserer Leben schöner zu machen, ein Wellnessfaktor?

Nein! Emotionen und Gefühle haben für den Menschen eine wichtige Aufgabe, um sein Überleben zu sichern oder zu erleichtern.  Es sind Signale, die anzeigen, ob im Organismus alles rund läuft, oder Probleme auftauchen, die gelöst werden müssen: Hunger- und Durstgefühle zeigen an, dass der Stoffwechsel dringend Nachschub braucht, um die notwenige Energie im Körper herstellen zu können. Angstgefühle machen auf mögliche Bedrohungen von außen oder in meinem Körper aufmerksam, vor denen ich mich schützen oder die ich abwehren, beseitigen muss. Dadurch, dass die Gefühle einen körperlichen Ausdruck finden, können sie von uns selbst und vor allem von Menschen in unserem Umfeld wahrgenommen werden, die uns dann zu Hilfe kommen können. Menschen, die ihre Gefühle nicht wahr, ernst nehmen oder ausdrücken können, leben gefährlich und schutzlos.

Im Mainstream ist auch die Überzeugung angekommen, den Bauchgefühlen mehr zu vertrauen als den kognitiv abgewogenen Überlegungen. Das ist sicher richtig, wenn z.B. auftauchende Ängste sich auf eine reale und aktuelle Situation beziehen und nicht durch Kindheitserfahrungen getriggert und überlagert werden. Für Liebesangelegenheiten ist die innere Stimme ein guter Wegweiser, wenn sie nicht durch Einsamkeit und Sehnsucht dominiert wird oder durch Misstrauen gegenüber allen Menschen vor jeder Annäherung warnt.

Deshalb ist die Arbeit an der Wahrnehmung, dem Ausdruck von Gefühlen und an ihrer Klärung oder Reinigung von existentieller Bedeutung für uns und die Menschen, mit denen wir arbeiten. Nur ein bearbeitetes und geklärtes Gefühlsleben wird uns bei unseren Entscheidungen eine verlässliche Hilfe sein können.

Von einem Hungergefühl werde ich aber nicht satt. Es kann mich nur anregen, den Hunger zu stillen. Ich muss mir überlegen, wo es Nahrung gibt, wie ich sie herstellen, anbauen und zubereiten kann. Ich muss darüber nachdenken. Es gibt Menschen, die sind  wenig erfolgreich mit der Lösung ihrer existenziellen Probleme, obwohl sie ihre Not und Bedürftigkeit spüren, viel nachdenken, Ideen und Strategien zur Lösung entwickeln. Diese Gedanken und Ideen müssen auch umgesetzt werden. Gefühle und Gedanken müssen zu einem angemessenen Verhalten führen, sonst ist kein Überleben möglich.

Fühlen – Denken – Verhalten sind ein einheitliches System im menschlichen Organismus.

Essen (Verhalten) ohne Hungergefühl (Fühlen) und Überlegungen über den Sinn, trotzdem essen zu müssen (Denken), lösen keine Probleme, schaffen eher welche.

Ein Angstgefühl muss zu der Erkenntnis führen, wie real die Bedrohung wirklich ist und wie man sie abwehren könnte. Das Ergebnis muss dann entweder zu beruhigendem Verhalten führen oder zu aktiven Schutzmaßnahmen.

Jede psychotherapeutische Arbeit folgt dieser Einheit von Fühlen, Denken und Verhalten, wenn sie effektiv sein will. Manche Therapeuten oder therapeutische Konzepte beginnen mit der Mobilisierung der Gefühle, andere mit dem Denken oder Verhalten. Immer müssen auch die anderen Aspekte in den Fokus kommen. In der praktischen Arbeit gehen diese Aspekte bisweilen ineinander über und werden nicht als solche bewusst wahrgenommen. Trotzdem bestimmt diese Dreieinigkeit das psychotherapeutische Geschehen.

 

Verhaltens –, Denk – und Fühlmuster

Um ein Musikstück spielen zu können, müssen mehrere unterschiedliche Fertigkeiten eingeübt und koordiniert werden (Noten lesen, verstehen, Takt, Rhythmus, Motorik). Dabei entwickelt sich ein komplexes Muster, „Stück xyz spielen“.  Es ist schließlich fest im Körper einprogrammiert. Soll es später wieder reproduziert werden, wird nur dieses Programm aufgerufen. Um die einzelnen Aspekte und ihre Koordinierung brauch man sich nicht mehr zu kümmern, das Stück ist ja gelernt.

Auch alle Tätigkeiten und Verhaltensweisen der Menschen, die während der Entwicklung erworben werden, bestehen aus solchen Verhaltensmustern: Um gehen zu können, brauchen wir ein Ziel, eine Vorstellung, müssen wir uns aufrichten, die Beine vorwärtsbewegen, die Balance halten können, das Ziel immer fest im Auge. All diese Tätigkeiten sind zu dem einen Muster „Gehen“ synchronisiert.  Diese Muster sparen viel Zeit und Kraft. Die affektgesteuerten Muster sind manchmal sogar lebenswichtig, wenn die Situation keine Zeit lässt, über geeignete Schutz- und Rettungsmaßnahmen nachzudenken. 

Diese Muster gibt es nicht nur für unser Verhalten. Auch unsere Denkprozesse und unser Gefühlsleben ist in Mustern strukturiert. 

`Die Deutschen sind gut organisiert, fleißig, pedantisch, spießig`, sind Vorstellungen und Gedanken, mit denen bisweilen deutsche Bürgerinnen und Bürger beschrieben werden. Mit diesem Muster kann man sich aufwendige Studien und Überlegungen über die deutsche Wesensart sparen.

In der Bioenergetik wird vom `Energiefluss` gesprochen, der sich einstellt, wenn eine Energieblockade sich löst und durch feine oder starke Vibrationen erfahren werden kann.  Es wird nicht versucht, die beobachtbaren Phänomene mit biologischen und physiologischen Abläufen differenziert zu beschreiben, sondern ein gedankliches Modell, das Alexander Lowen einmal entwickelt hat, wird zu einem Denkmuster und gilt als gesichertes Element der bioenergetischen Konzeption.  Mit diesem Denkmuster kann innerhalb der bioenergetischen Gemeinschaft gut kommuniziert werden. Jeder weiß, welche Erfahrungen gemeint sind. Sollen diese Energieströme aber gemessen oder Nicht- Bioenergetikern vermittelt werden, wird dieses Denkmuster ziemlich wertlos.

Mit Aussagen wie `Rauchen ist tödlich`, `man muss jeden Tag 4 Liter Wasser trinken`, wird zwar ein vielleicht sinnvolles Verhalten angesprochen, aber in der Form eines Denkmusters. Auch moralische Normen erscheinen in Gestalt von Denkmustern, die es zunächst überflüssig machen, über notwendiges oder sinnvolles Verhalten nachzudenken. Im täglichen Leben sind solche Normen und Regeln praktisch, weil sie Entscheidungen sehr vereinfachen können. Was richtig oder falsch ist, sagt die Moral, die Norm.

Während Menschen aus nicht europäischen Kulturen gerne, Insekten grillen, Hundefleisch essen, reagieren Europäer eher mit Ekelgefühlen, ohne diese Speisen probiert zu haben. Ihr Gefühlsmuster ist unterschiedlich. 

Auf der Suche nach einer Liebesbeziehung, sind es oft ganz bestimmte Eigenschaften, Gerüche, Haltungen, die berühren und das Bedürfnis nach Kontakt auslösen, und diese Muster sind oft sehr stabil.

 Manchmal müssen diese Muster aber neuen Lebensbedingungen angepasst und verändert werden:

Ein Fischer hat gelernt, sich und seine Familie mit Fischfang zu ernähren.  Er muss nicht mehr darüber nachdenken, wie und wo er fangen kann. Er bekommt aber ein Existenzproblem, wenn es keinen Fisch mehr in seinen Fangründen gibt. Über alternative Ernährungsmöglichkeiten muss nachgedacht werden, neue Strategien und Fertigkeiten müssen eingeübt und zu einem neuen Muster koordiniert werden. Der Fischer ist dann vielleicht in die Landwirtschaft gewechselt. Die Lösung dieses Problems geschieht mit seinen kognitiven Fähigkeiten.

Umso wichtiger diese Muster für das Überleben sind, umso stabiler sind sie in unsere Struktur integriert. Ihre Veränderbarkeit ist entsprechend stark eingeschränkt bis unmöglich. Atem-, Beziehungsmuster oder Charakterstrukturen demonstrieren uns immer wieder ihre Hartnäckigkeit.

Es gibt Menschen, die sehr unter ihrer Einsamkeit leiden, sich nach einer liebevollen Beziehung sehnen und auch sehr viel unternehmen, sie zu finden – aber immer wieder scheitern. Analysiert man ihre Verhaltensmuster und Motivationen, wird manchmal deutlich, wie bedrohlich die ersehnte Beziehung für sie gleichzeitig ist. Das Scheitern ihrer Bemühungen kann als Schutz der eigenen Autonomie usw. verstanden werden. Erst müssen die endlos sich wiederholenden Beziehungsversuche gestoppt, ein Denkprozess über die Funktion und die Motive des Musters erarbeitet werden. Dann kann überlegt werden, ob eine Beziehung wirklich wünschenswert ist und wenn ja, ob es immer noch notwendig ist, sich auf früher erworbene Weise vor den gefürchteten Bedrohungen zu schützen. Vielleicht werden intelligentere und flexiblere Muster gefunden. Doch die alten Muster werden nie wirklich völlig gelöscht. Kommt man in eine Stresssituation, bei Überforderung oder Erschöpfung, wird die kognitive Kontrolle über die Muster schwächer und die alten reaktiviert. Es ist fraglich, ob der Wunsch vieler Klienten, die unerwünschten Muster zu löschen, realistisch ist. Viel ist schon gewonnen, wenn ihre Ursache und Funktion verstanden und mit der aktuellen Lebenssituation konfrontiert werden kann. Damit kann über einen kognitiven Prozess wieder mehr Kontrolle über die Muster erreicht werden.

 

Teilfertigkeiten lernen und zur Einheit integrieren.

Es wurde gezeigt, dass das Erlernen eines Musikstückes das Einüben unterschiedlicher Fertigleiten in verschiedenen Arealen des Gehirns erfordert, die dann synchronisiert werden müssen. Ähnlich ist es, wenn z.B. ein neues Verhaltensmuster entwickelt werden soll, um eine dauerhafte, befriedigende Beziehung zu finden:

  • Das Bedürfnis, die Sehnsucht nach einer Beziehung muss gefühlt werden. Soll es eine dauerhafte Liebesbeziehung sein oder ein sexuelles Abenteuer? Das setzt die Fähigkeit voraus, seine eigenen Empfindungen, Fantasien und körperlichen Regungen wahrzunehmen und zu respektieren. Es ist Achtsamkeit auf die eigene innere Welt, die geschult werden muss. Mit dieser Fähigkeit kann man spüren, ob man auf die Lebendigkeit, die Intellektualität oder sexuelle Attraktivität anspricht. Aus unterschiedlichen Gründen will man aber manchmal diesen Erkenntnissen, der inneren Stimme, nicht folgen. 
  • Der potenzielle Partner, oder die Partnerin muss als begehrenswerte Person gesehen, erkannt, gerochen, erlebt werden können. Menschen sind manchmal sehr erstaunt, eine Person interessant, schön und begehrenswert zu finden, die sie schon jahrelang kennen und der sie häufig begegnen, ohne sie wirklich wahr zu nehmen. Die Aufmerksamkeit bewusst und gezielt mit Vorsatz auf die Außenwelt zu richten, wird hier sehr hilfreich sein.  Diese Übung kann schon damit beginnen, seinen Gang zu beobachten, sich aufzurichten und den Blick vom Boden in die Umgebung zu lenken. Auch die Geschwindigkeit der Fortbewegung kann reduziert werden, weil man dann deutlicher erkennen und sehen lernt.
  • Dabei kann die Frage auftauchen und geklärt werden, warum man sich nur in gebeugter Haltung fortbewegen mag, sich nicht traut, andere Menschen anzuschauen und ihre Wirkung auf sich zuzulassen. Diese gewonnenen Erkenntnisse werden aber zu keinem anderen Verhalten führen, wenn es nicht gelingt, die Umgebung aufgerichtet und bewusster wahr zu nehmen.
  • Um eine Beziehung beginnen zu können, müssen die Personen sich in einem Raum treffen können, der Wahrnehmung, verbalen Austausch, Kontakt und Berührung möglich macht. Ein Mann in einem technischen Beruf trifft z.B. während der Arbeitszeit gar keine Frauen. Anders ist das unter Studenten in einem Fach, das von Frauen und Männern gleichermaßen belegt wird. Die zufällige und spontane Art und Weise, Beziehungen zu knüpfen, wird in der Regel bevorzugt und als die `normale` angesehen.  Lassen die Lebensbedingungen solche Begegnungen aber nicht zu, müssen andere Formen entdeckt oder entwickelt werden. Solche Begegnungsräume sind heute Vereine, Clubs, Diskos, Partnerschaftsanzeigen und Partnerportale im Internet. Aus unterschiedlichen Gründen und Erfahrungen werden diese Begegnungsräume häufig kritisiert. Entscheidend ist aber die Klärung der Frage, ob es ein Vorurteil, ein Tabu oder die persönliche Unsicherheit ist, die die Einstellung zu diesem oder jenem Begegnungsraum bestimmt.
  • Häufig kommt es in neuen Beziehung nach einer gewissen Zeit zu Enttäuschungen (hoffentlich).  Der Partner verhält sich nicht nach meinen Erwartungen, er hat mich getäuscht und ich habe mich täuschen lassen. Damit eine Beziehung in dieser Phase nicht scheitert, ist Kommunikation notwendig und die Fähigkeit, Konflikte in angemessener Weise auszutragen. Ob diese Fähigkeiten ausreichend entwickelt sind, hat eine emotionale und eine kognitive Komponente. Beide müssen auf der je eigenen Ebene und mit den jeweiligen Methoden bearbeitet und verbessert werden.
  • Sicher gibt es noch mehr Aspekte, die für die Gestaltung von Beziehung wichtig sind. Es soll hier nur deutlich gemacht werden, dass Beziehungsarbeit auf den Ebenen Gefühl, Kognition und Verhalten stattfindet. In der praktischen Arbeit gehen diese Ebenen oft ineinander über und werden als getrennte Aspekte auch nicht wahrgenommen.  Das kann aber auch dazu führen, dass der eine oder andere Aspekt vergessen wird oder der Fokus nur auf dem kognitiven, emotionalen oder Verhaltensaspekt liegt, und nur begrenzt effektiv ist.
  • Andererseits kann auch mit einzelnen Aspekten und Ebenen gearbeitet werden: Es wird nur mit der inneren oder äußeren Wahrnehmung gearbeitet. Die Einstellungen, Normen und gesellschaftlichen Tabus des Klienten werden reflektiert, Erwartungen an eine Beziehung aufgedeckt, der Umgang mit Konflikten wird geklärt und verbessert. Diese Vorgehensweise kann für den Klienten und den Therapeuten übersichtlicher sein, der Lerneffekt größer.
  • Die Synchronisierung dieser unterschiedlichen Aspekte geschieht dann spätestens im realen Leben.
  • Ganzheitlichkeit ist Fühlen, Denken, Verhalten
  • Musik ist ein ganzheitliches Geschehen und eine einheitliche Erfahrung. Aber sie besteht aus den unterschiedlichsten Elementen und wird geschaffen in den verschiedensten Räumen des menschlichen Organismus. Jeder dieser Räume arbeitet, lebt und lernt nach eigenen Regeln. Jeder Raum stellt dann das, was er gelernt und erfahren hat, dem Ganzen zur Verfügung.
  • Die Ganzheitlichkeit unserer psychotherapeutischen Methode besteht darin, dass Fühlen, Denken und Verhalten sich mit den je eigenen Lebensweisen und Strukturen entwickeln und dann zu einer Einheit zusammenfinden und unser Leben gestalten.
  • Exkurs zum Verständnis von Emotion, Gefühl und Affekt.
  • Um emotionales Geschehen zu beschreiben, werden die Begriffe Emotion, Gefühl und Affekt benutzt (Ciompi S.78ff).  Wenn diese Begriffe oft auch synonym gebraucht werden, kann man mit dem Begriff `Emotionen ´ vor allem körperliche Zustände beschreiben – Hunger, Durst, körperliche Schmerzen. `Gefühle` beschreiben psychisches Geschehen – Angst, Trauer, Freude.                                           `Affekte` können als körperliche Reaktionen verstanden werden ohne bewusstes Erleben. Sie von den Gefühlen und Emotionen zu unterscheiden, kann für Körperpsychotherapeuten wichtig sein, denn die Affekte werden vom autonomen Nervensystem gesteuert, das weitgehend unabhängig vom zentralen Nervensystem operiert.  Affekte sind spontane Handlungen, mit denen Tiere und Menschen auf Bedrohungen reagieren. Mit ihnen wird versucht, das Überleben zu retten oder zu sichern. Da ist keine Zeit für Überlegungen, Abwägungen und Befindlichkeiten.  Gut beeinflussen lassen sich die Affekte aber über den Atem. Die Regulation der Atemfrequenz nutzte Wilhelm Reich in seiner Vegetotherapie, um Angstzustände zu reduzieren (Boadella, 1981, S. 125ff.). Stephen Porges (Porges S.43 ff.) zeigt, dass die Regulation der Atemfrequenz sich auch unmittelbar auf die Herzfrequenz auswirkt und damit die `Öffnung des Herzens` beeinflusst.
  • Abhängig von kulturellen Vorstellungen werden in der Literatur ca. 40 unterschiedliche Gefühle beschrieben. Allen Kulturen gemeinsam sind allerdings nur die 7 Gefühle: Freude, Verzweiflung, Wut, Furcht, Ekel, Überraschung, Interesse.  Liebe gehört interessanterweise nicht dazu.
  • Literatur
  • Ciompi, L. (1999). Die emotionalen Grundlagen des Denkens. Entwurf einer fraktalen Affektlogik: Vandenhoek & Ruprecht
  • Porges, S. W. (2010). Die Polyvagal – Theorie. Neurophysiologische Grundlagen der Therapie. Emotionen, Bindung, Kommunikation und ihre Entstehung: Junfermann, Paderborn
  • Boadella, D. (1981). Wilhelm Reich. Bern, München: Scherz.
  • Dechert, G.  www.gernotdechert.de

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